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Offene Hardware

2 Minuten Lesezeit

Open Hardware, auch bekannt als Open Source Hardware, basiert auf dem Prinzip der Offenheit und Zugänglichkeit, bei der die Designspezifikationen eines physischen Objekts so lizenziert werden, dass sie von jedem studiert, modifiziert, erstellt und verteilt werden können.  Die „Quellcodes“ für Open Hardware – Schaltpläne, Baupläne, Logikdesigns, Computer-Aided Design (CAD)-Zeichnungen oder Dateien – sind für Modifikationen oder Verbesserungen durch jedermann unter permissiven Lizenzen verfügbar. Dieser Ansatz steht im Gegensatz zu traditionellen Methoden, bei denen Design und Herstellung oft hinter verschlossenen Türen stattfinden. Dies ermöglicht es Nutzern, die über die entsprechenden Werkzeuge verfügen, den Code, der dem physischen Gerät zugrunde liegt, zu aktualisieren und zu verbessern. Sie können Funktionen hinzufügen oder Fehler in der Software beheben und sogar das physische Design des Objekts selbst modifizieren und diese Modifikationen teilen.

Unterschiede zu herkömmlicher Hardware #

Im Gegensatz zu geschlossener Hardware, die oft auf Geheimhaltung und Patentgesetze setzt, um die Nachbildung von Objekten so schwierig wie möglich zu machen, zielt Open Hardware darauf ab, das Objekt so einfach wie möglich zu remixen und zu reproduzieren. Dies fördert Innovation und Kollaboration.

Wesentliche Inhalte und Prinzipien #

Offene Hardware steht für einen transparenten und kollaborativen Entwicklungsansatz in der Produktgestaltung. Im Zentrum stehen Nachvollziehbarkeit, gemeinschaftliche Weiterentwicklung und rechtlich abgesicherte Offenheit. Die folgenden Aspekte bilden das Fundament dieser Praxis:

  • Transparenz und Nachvollziehbarkeit: Die vollständige Offenlegung von Bauplänen, Schaltbildern, Funktionsweisen und Stücklisten ermöglicht es Dritten, Hardwareprojekte technisch nachzuvollziehen, zu überprüfen und nachzubauen. Dadurch entsteht ein gemeinsames Verständnis und Vertrauen in die Technologie.

  • Offene Dokumentation: Zentrale Bestandteile wie CAD-Dateien, Montageanleitungen, Testprotokolle und Softwarequellcodes werden umfassend dokumentiert und öffentlich bereitgestellt. Diese Dokumentation bildet die Grundlage für Lernprozesse, Wissensweitergabe und dezentrale Produktion.

  • Freie und offene Lizenzen: Die Weitergabe, Nutzung und Modifikation der Hardware erfolgt unter offenen Lizenzen. Zu den gebräuchlichsten zählen die CERN Open Hardware Licence, die TAPR Open Hardware License und die Solderpad Hardware License. Sie schaffen Rechtsklarheit und fördern faire Weiterverwertung sowie Rückfluss von Verbesserungen in die Community.

  • Ermöglichung von Nachbau und Weiterentwicklung: Open Hardware erlaubt den freien Nachbau, die Adaption und die kontinuierliche Verbesserung durch Dritte. Dies fördert technologische Innovationsprozesse, insbesondere in Bildung, Forschung, Entwicklungszusammenarbeit und bei kurzfristigen Problemlösungen – wie etwa in pandemischen Krisensituationen.

  • Zugänglichkeit von Komponenten und Fertigungsprozessen: Ein zentrales Ziel ist die technische Umsetzbarkeit für möglichst viele Akteure. Daher wird auf standardisierte, handelsübliche Bauteile und weit verbreitete Fertigungstechnologien wie 3D-Druck oder Lasercutter gesetzt. Dies erhöht die Nachbaufähigkeit und senkt Einstiegshürden.

  • Sozioökonomische Nachhaltigkeit: Open Hardware betrachtet auch soziale und ökologische Dimensionen der Technikentwicklung. Aspekte wie resiliente Lieferketten, regionale Produktion, Reparierbarkeit und der Zugang zu offenen Werkstätten tragen zur langfristigen Nachhaltigkeit und Selbstermächtigung bei.

  • Standards und Zertifizierungen: Zur Qualitätssicherung und rechtlichen Absicherung tragen etablierte Standards bei. Die DIN SPEC 3105 definiert Anforderungen an die Offenheit technischer Dokumentation, während die OSHWA-Zertifizierung (Open Source Hardware Association) Projekte international sichtbar und rechtssicher macht. Diese Standards unterstützen Entwickler, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bei der Orientierung im offenen Hardware-Ökosystem.

Lizenzierung von Open Hardware #

Die Lizenzierung von Open Hardware erlaubt es den Empfängern der Designs und Dokumentationen, diese zu studieren, zu verteilen und zu modifizieren, sowie jegliche Modifikationen zu verbreiten. Open Hardware-Lizenzen verhindern nicht, dass jemand die Dokumentation des Projekts verschenkt oder sogar verkauft. Viele Open Hardware-Projekte nutzen bestehende freie und Open Source Software-Lizenzen oder die Creative Commons By Attribution-Lizenzen, die sich mehr auf die Merkmale von Kunstwerken konzentrieren.

Praktische Beispiele von Open Hardware #

  1. Arduino: Eine der bekanntesten Open Hardware-Plattformen, die es Benutzern ermöglicht, interaktive elektronische Geräte zu erstellen. Arduino hat eine große Gemeinschaft von Entwicklern und Bastlern, die ständig neue Erweiterungen und Anwendungen entwickeln.
  2. Raspberry Pi: Dieser kleine Computer hat die Welt der Bildung und des Hobby-Computings revolutioniert. Er ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Open Hardware den Zugang zu Technologie demokratisieren kann.
  3. RepRap 3D-Drucker: Ein selbstreplizierender 3D-Drucker, der die Grundlage für viele moderne 3D-Drucktechnologien bildet. Dieses Projekt hat die Entwicklung kostengünstiger 3D-Drucktechnologien erheblich vorangetrieben.