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Citizen Science – Innovation in Open Science, Society and Policy citizen-science Full view

Citizen Science – Innovation in Open Science, Society and Policy

Die Bürgerwissenschaft oder Citizen Science entwickelt sich zu einer globalen Bewegung. Obwohl es eine lange Geschichte der Zusammenarbeit zwischen der Öffentlichkeit und der Fachwelt gibt, sind erst jetzt deren sozialer Nutzen und transformative Kraft Gegenstand politischer und wissenschaftlicher Debatten. Citizen Science wächst als Netzwerk verschiedener Akteure und befindet sich in einem Prozess der Selbstfindung, der sich in der Diskussion über Qualitätskriterien, die Rolle der Geisteswissenschaften und ihr Verhältnis zu den Konzepten von Responsible Research and Innovation (RRI) und Open Science manifestiert.

Aufbauend auf dem ‚BürGEr Schaffen WISSen‘ GEWISS Projekt und der Zusammenarbeit mit der Europäischen Citizen Science Association (ECSA), hat Susanne Hecker, unterstützt von Anett Richter, dies Buch mit 120 Autoren aus 16 Ländern und dem Herausgeber Team vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung- UFZ, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und Friedrich-Schiller-Universität Jena, sowie University College London UCL, Imperial College London, UK, Museum für Naturkunde in Berlin und Wilson Centre Thinktank in Washington, US entwickelt.

Die hier vorgestellte normative Idee der Bürgerwissenschaft umfasst die demokratische Regierungsführung in Europa und der übrigen Welt, die sich auf die fundierten Entscheidungen ihrer Bürger*Innen und das gemeinsame Verständnis von Wissenschaft als Einheit stützt – ein besonders wertvoller Beitrag angesichts der Bemühungen, gemeinsame Bedeutungen für Europa und die Weltbürgerschaft zu identifizieren.

Ein Teil der Entwicklung der Bürgerwissenschaft ist, wie bei anderen Bewegungen auch, der Wunsch nach Legitimität. Ein Weg, dies zu erreichen, ist die Institutionalisierung. Die European Citizen Science Association (ECSA), die Citizen Science Association (CSA) mit Sitz in den Vereinigten Staaten und die Australian Citizen Science Association (ACSA) sowie nationale Netzwerke in Ländern wie Deutschland, Neuseeland, China und Österreich wandeln sich von losen Netzwerken hin zu juristischen Personen. Auch die Selbstreflexion innerhalb der bürgerlichen Wissenschaftsgemeinschaft nimmt zu, wie die zunehmende Forschung zur Bürgerwissenschaft und ihren Auswirkungen zeigt. Citizen Science bedeutet nicht nur eine Institutionalisierung, sondern auch eine Professionalisierung. Praktiker tauschen Erfahrungen, Tipps und Tricks aus, berücksichtigen aber auch gesellschaftliche und politische Auswirkungen: Was lernen die Teilnehmer – Bürger und Wissenschaftler? Ändern sich ihre Einstellungen und Routinen? Wie wirkt sich die Politik der Bürgerwissenschaft aus? Beeinflusst die Bürgerwissenschaft das Innovationspotenzial einer Gesellschaft und wie lässt sich dies messen?

Ein weiteres Merkmal einer Bewegung ist der Prozess der Entwicklung einer Selbstidentität und eines gemeinsamen Verständnisses – in diesem Fall das Citizen Science. Ein Beispiel für diese Identitätsbildung sind die Ten Principles of Citizen Science, die von der ECSA Principles Group entwickelt und die in mehr als 20 verschiedene Sprachen übersetzt wurden. Citizen Science  soll die Nachhaltigkeit durch bürgerliche Wissenschaft fördern, Kompetenzzentren für bürgerliche Wissenschaften aufbauen und partizipative Methoden für Kooperation, Empowerment und Wirkung entwickeln.

Die Vision ist , dass Citizen Science ihre integrative Kraft weiterentwickelt, Instrumente entwickelt und Ressourcen zur Annäherung und Integration marginalisierter Gruppen findet und dass die Anliegen und Erkenntnisse der Bürger*Innen von verschiedenen Wissenschaftsgemeinschaften und in der Politik ernst genommen werden.

Hecker, S., Haklay, M., Bowser, A., Makuch, Z., Vogel, J. & Bonn, A. (2018) Citizen Science – Innovation in Open Science, Society and Policy. UCL Press, London

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