Vom Datensatz zum Mehrwert: Das ODES-Framework der ODIS Berlin
Offene Verwaltungsdaten sind in Berlin inzwischen kein Mangel mehr. Über 2.500 Datensätze stehen im Berliner Open-Data-Portal bereit und werden dennoch häufig kaum genutzt. Das liegt selten an fehlender Motivation, sondern an einer strukturellen Lücke: Rohdaten allein erzeugen noch keinen gesellschaftlichen Mehrwert. Erst wenn sie für konkrete Zielgruppen aufbereitet, kontextualisiert und zugänglich gemacht werden, entfalten sie ihre Wirkung.
Da Open-Data-Engagement-Shell-Framework (ODES), das die Open Data Informationsstelle Berlin (ODIS) in ihrer aktuellen Studie „Open Data zwischen Bereitstellung und Wirkung“ vorstellt. Das Framework überträgt das informationswissenschaftliche Modell der DIKW-Pyramide (Data–Information–Knowledge–Wisdom) in eine praxisorientierte Planungslogik für Open-Data-Projekte.
Das Modell beschreibt fünf konzentrische Schalen, die jeweils einen Verarbeitungsgrad von Daten beschreiben: von maschinenlesbaren Rohdaten über Portale, Visualisierungen und kontextualisierende Anwendungen bis hin zu narrativen, interaktiven Formaten, die Menschen auch ohne Datenkompetenz erreichen. Jede Schale benennt nicht nur den Reifegrad der Daten, sondern auch die Fähigkeiten, die Nutzende mitbringen müssen, und die Unterstützung, die sie benötigen.
Praktisch heißt das: Ein Datensatz zu Berliner Luftqualitätswerten, der heute nur als API-Endpunkt existiert, ist für Datenwissenschaftler:innen nutzbar (Schale 1–2), nicht aber für Journalist:innen oder Bürger:innen. Durch ein Dashboard (Schale 3), einen kontextualisierten Artikel (Schale 4) oder eine Social-Media-Kampagne (Schale 5) kann dieselbe Datenbasis sukzessive breiteren Öffentlichkeiten zugänglich gemacht werden, ohne dass die Verwaltung alle Schalen selbst bedienen muss. Das ODES-Framework hilft, diese Wertschöpfungskette bewusst zu planen und Verantwortlichkeiten zu klären.
Die Studie illustriert das Modell an konkreten Berliner Projekten: dem KI-gestützten GeoExplorer, dem WFS-Explorer für Geodatenformate, der interaktiven Haushaltsdaten-Visualisierung, dem Weihnachtsmarkt-Finder und dem analogen Kartenspiel „Open Data Supertrumpf„. Gemeinsam zeigen diese Beispiele, dass nutzendenzentrierte Gestaltung kein nachgelagerter Schritt ist, sondern von Anfang an in den Bereitstellungsprozess gehört.
Das ODES-Framework als Poster und die zugehörigen Reflexionskarten stehen als Begleitmaterial frei zur Verfügung für Workshops, Planungsprozesse und interne Diskussionen rund um Open-Data-Vorhaben.
→ Studie und Materialien: odis-berlin.de

