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Offene Kultur in der digitalen Gesellschaft

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Guerilla Open-Access Manifest (Aaron H. Swartz, *1986 †2013)

Informationen sind Macht. Aber, wie so oft, gibt es Menschen die diese Macht für sich behalten wollen. Das weltweite wissenschaftliche und kulturelle Erbe, für Jahrhunderte in Büchern und Zeitschriften veröffentlicht, wird zunehmend von einer Handvoll privater Firmen digitalisiert und eingeschlossen. Möchtest du aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse studieren, musst du zunächst Unmengen an Verlage wie Reed Elsevier überweisen. Allerdings gibt es auch Menschen, die antreten um daran etwas zu ändern. Das Open-Access Movement hat tapfer gekämpft um sicherzustellen, dass Wissenschaftler ihre Urheberrechte nicht leichtfertig abgeben, sondern ihre Arbeiten stattdessen im Internet  veröffentlichen – unter Bedingungen die allen Zugriff erlauben. Aber selbst in den besten Szenarien betrifft dieses Engagement nur Dinge, die noch publiziert werden. Alles andere wird verloren sein.

Dieser Preis ist zu hoch. Akademiker zwingen dafür zu bezahlen, wenn sie die Arbeiten ihrer Kollegen lesen wollen? Ganze Bibliotheken einscannen aber nur den Leuten bei Google erlauben sie zu lesen? Wissenschaftliche Artikel nur für elitäre Universitäten in der ersten Welt bereitstellen, aber nicht den Kinder im globalen Süden? Das ist empörend und inakzeptabel. „Ich stimme zu“, sagen viele, „aber was können wir tun? Die Firmen halten die Rechte, sie machen enorme Gewinne wenn sie für Zugänge abkassieren und das alles im gesetzlichen Rahmen – es gibt nichts womit wir sie stoppen könnten.“ Doch, es gibt etwas das wir tun können, etwas das schon einmal getan wurde: Wir können uns wehren.
Ihr mit Zugang zu den Ressourcen – Studenten, Bibliothekare, Wissenschaftler – euch wurde ein Privileg zuteil. Ihr werdet am Wissensbankett gefüttert, während der Rest der Welt ausgesperrt wird. Aber ihr dürft nicht – ja, moralisch, könnt ihr nicht – dieses Privileg für euch behalten. Ihr habt die Pflicht mit der Welt zu teilen. Ihr müsst Passwörter mit Kollegen tauschen oder Downloads für Freunde durchführen. Gleichzeitig wart ihr, die ihr ausgesperrt wurdet, nicht untätig. Ihr habt euch durch Löcher gezwängt und seid über Zäune geklettet, um von Verlagen geschützte Informationen zu befreien und sie mit Freunden zu teilen.

Aber all diese Aktionen führen auf dunkle Seite der Macht, sie führen in den Untergrund. Es wird Stehlen und Piraterie genannt, als ob das Teilen von Wissensreichtümern das moralische Äquivalent zur Plünderung eines Schiffes und
zum Mord der ganzen Crew wäre. Dabei ist Teilen nicht unmoralisch – es ist eine moralische Notwendigkeit. Nur solche, von Gier geblendeten würden einem Freund eine Kopie verweigern. Natürlich sind großen Firmen vor Gier geblendet. Die Regeln in denen sie sich bewegen erwarten dies – ihre Aktionäre würden sich mit weniger auch nicht zufrieden geben. Und die Politiker haben ihnen das abgekauft, erlassen Gesetze die ihnen die exklusive Macht geben, selbst zu entscheiden wer kopieren darf. Es existiert keine Gerechtigkeit in diesen ungerechten Gesetzen. Es ist Zeit, ins Licht kommen und in der großen Tradition des zivilen Ungehorsam, unseren Widerstand gegen diesen privaten Diebstahl öffentlicher Kultur zu zeigen. Wir müssen Informationen, wo auch immer sie gespeichert sind, nehmen, unsere eigenen Kopien machen und sie mit dem Rest der Welt teilen. Wir müssen Dinge, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind, nehmen und sie diesem Archiv hinzufügen. Wir müssen Zugang zu geheimen Datenbanken kaufen und sie ins Netz stellen. Wir müssen wissenschaftliche Zeitschriften herunterladen und sie in File-Sharing Netzwerke einspeisen. Wir müssen für Guerilla Open-Access kämpfen.

Wenn wir weltweit genügend Menschen sind, senden wir nicht nur eine Botschaft
unseres Widerstands gegen die Privatisierung von Wissen – wir machen es zu einem
Teil der Vergangenheit. Wirst du dich uns anschließen?

ÜBERESETZT VON JAN BRENNENSTUHL

ORGINALE VERSION:
Guerilla Open Access Manifesto

Information is power. But like all power, there are those who want to keep it for
themselves. The world’s entire scientific and cultural heritage, published over centuries
in books and journals, is increasingly being digitized and locked up by a handful of
private corporations. Want to read the papers featuring the most famous results of the
sciences? You’ll need to send enormous amounts to publishers like Reed Elsevier.

There are those struggling to change this. The Open Access Movement has fought
valiantly to ensure that scientists do not sign their copyrights away but instead ensure
their work is published on the Internet, under terms that allow anyone to access it. But
even under the best scenarios, their work will only apply to things published in the future.
Everything up until now will have been lost.

That is too high a price to pay. Forcing academics to pay money to read the work of their
colleagues? Scanning entire libraries but only allowing the folks at Google to read them?
Providing scientific articles to those at elite universities in the First World, but not to
children in the Global South? It’s outrageous and unacceptable.

„I agree,“ many say, „but what can we do? The companies hold the copyrights, they
make enormous amounts of money by charging for access, and it’s perfectly legal —
there’s nothing we can do to stop them.“ But there is something we can, something that’s
already being done: we can fight back.

Those with access to these resources — students, librarians, scientists — you have been
given a privilege. You get to feed at this banquet of knowledge while the rest of the world
is locked out. But you need not — indeed, morally, you cannot — keep this privilege for
yourselves. You have a duty to share it with the world. And you have: trading passwords
with colleagues, filling download requests for friends.

Meanwhile, those who have been locked out are not standing idly by. You have been
sneaking through holes and climbing over fences, liberating the information locked up by
the publishers and sharing them with your friends.

But all of this action goes on in the dark, hidden underground. It’s called stealing or
piracy, as if sharing a wealth of knowledge were the moral equivalent of plundering a
ship and murdering its crew. But sharing isn’t immoral — it’s a moral imperative. Only
those blinded by greed would refuse to let a friend make a copy.

Large corporations, of course, are blinded by greed. The laws under which they operate
require it — their shareholders would revolt at anything less. And the politicians they
have bought off back them, passing laws giving them the exclusive power to decide who
can make copies.

There is no justice in following unjust laws. It’s time to come into the light and, in the
grand tradition of civil disobedience, declare our opposition to this private theft of public
culture.

We need to take information, wherever it is stored, make our copies and share them with
the world. We need to take stuff that’s out of copyright and add it to the archive. We need
to buy secret databases and put them on the Web. We need to download scientific
journals and upload them to file sharing networks. We need to fight for Guerilla Open
Access.

With enough of us, around the world, we’ll not just send a strong message opposing the
privatization of knowledge — we’ll make it a thing of the past. Will you join us?

Aaron Swartz

July 2008, Eremo, Italy

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